
Kinder und Gluten
Zöliakie bei Kindern
Wenn du ein Kind hast, bei dem Zöliakie diagnostiziert wurde, kann sich die erste Zeit sehr überwältigend anfühlen. Wichtig ist jedoch zu wissen, dass Kinder oft schnell lernen und sich rasch daran gewöhnen. Kleine Kinder akzeptieren in der Regel leicht, dass sie nicht alles essen können, was andere in ihrer Umgebung essen. Gleichzeitig ist es wichtig, dafür zu sorgen, dass es glutenfreie Alternativen für das Kind gibt, damit es das Gefühl hat, unter denselben Bedingungen wie alle anderen dabei zu sein – vielleicht sogar ein bisschen privilegiert. Kinder lernen auch, Erwachsene nach Gluten zu fragen, was sie essen dürfen und was nicht. Um Missverständnisse zu vermeiden, ist es außerdem wichtig, von Anfang an sowohl dem Kind als auch dem Umfeld klarzumachen, dass es um Zöliakie geht. Vermeide Ausdrücke wie „Glutenintoleranz“ oder „Glutenallergie“!
Kinder und Gluten zu Hause
Die glutenfreie Ernährung des Kindes lässt sich zu Hause am einfachsten im Blick behalten. Gestalte es so unkompliziert wie möglich. Wenn alle Familienmitglieder – soweit praktisch möglich – dasselbe essen, rückt die glutenfreie Ernährung des Kindes weniger in den Mittelpunkt. Das kann das Gefühl des Kindes stärken, so zu sein wie alle anderen. Zum Beispiel kann man unterschiedliche Sorten Brot und Pasta haben, ansonsten aber Mahlzeiten, gemütliche Momente und Fika so anpassen, dass alle dasselbe essen. Das verringert auch das Risiko, dass das Kind zu Hause aus Versehen Gluten zu sich nimmt.
Kinder und Gluten in der Schule
Wenn Kinder ins Schulalter kommen, fangen sie oft an, sich mit ihren Freunden zu vergleichen. Sie können es als ungerecht empfinden, dass sie kein Gluten essen dürfen. Es ist wichtig, diese Gefühle ernst zu nehmen und zu zeigen, dass du sie respektierst – ebenso wie das Positive hervorzuheben, dass es dem Kind mit einer glutenfreien Ernährung gut geht. Informiere Lehrkräfte und das Personal in der Schulkantine darüber, dass dein Kind kein Gluten essen kann. Es ist gut, eine Bescheinigung zur glutenfreien Ernährung deines Kindes abzugeben. Auch wenn die glutenfreie Verpflegung oft gut funktioniert, kann es sinnvoll sein, das Personal bei Ausflügen und Wandertagen daran zu erinnern. Gib dem Kind zur Sicherheit gerne eine Art „Notproviant“ mit.
Kinder und Gluten in der Pubertät
Zöliakie zu haben und Anforderungen an das Essen stellen zu müssen, kann in der Pubertät sowohl belastend als auch peinlich sein. Viele Jugendliche haben außerdem Schwierigkeiten, die Folgen von ein wenig „Schludern“ mit Gluten zu überblicken. Die Teenagerjahre sind vielleicht die herausforderndste Zeit, wenn man Zöliakie hat. Es ist eine Phase, in der manche leider ausprobieren, glutenhaltige Lebensmittel zu essen, ohne die Konsequenzen vollständig zu bedenken – nämlich dass der Dünndarm geschädigt wird. Deshalb kann es eine gute Unterstützung sein, andere Jugendliche mit Zöliakie zu treffen. In Deutschland gibt es innerhalb der Deutschen Zöliakie-Gesellschaft e.V. (DZG) ein eigenes Jugendgremium, den Jugendausschuss. Er richtet sich an Kinder, Jugendliche und junge Menschen mit Zöliakie, bietet Inhalte „von Gleichaltrigen für Gleichaltrige“ und dient als direkte Anlaufstelle (u. a. mit Jugendtexten sowie verschiedenen Austausch- und Treffenformaten).
Ernährungsberatung als Unterstützung
Kinder und Jugendliche mit Zöliakie sollten während des gesamten Aufwachsens durch regelmäßige Termine bei einer Ernährungsberaterin/einem Ernährungsberater unterstützt werden. Die Ernährungsberatung kennt das Kind und ist Expertin/Experte dafür, wie die glutenfreie Ernährung umgesetzt wird. Außerdem kann sie individuelle Anpassungen vornehmen, damit es deinem Kind so gut wie möglich geht. Für Ernährungsberaterinnen und Ernährungsberater gibt es heute nationale Leitlinien zur Ernährungstherapie bei Zöliakie.