Was ist zöliakie?

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Zöliakie ist eine Erkrankung, bei der man Gluten nicht verträgt. Gluten ist ein Sammelbegriff für Proteine, die in den Getreidesorten Weizen, Roggen und Gerste vorkommen. Zöliakie – oder Glutenintoleranz, wie die Krankheit manchmal genannt wird – ist eine Autoimmunerkrankung. Das bedeutet, dass das Immunsystem die eigenen, gesunden Zellen des Körpers angreift. Bei Zöliakie werden die Zellen der Dünndarmschleimhaut geschädigt, wenn man Gluten zu sich nimmt. Die Schleimhaut entzündet sich, und die Darmzotten werden beschädigt und abgebaut. Dadurch fällt es dem Körper zunehmend schwer, wichtige Nährstoffe aus der Nahrung aufzunehmen. Das kann zu Nährstoffmangel und anderen, manchmal schwerwiegenden, Problemen und Folgeerkrankungen führen. Zöliakie lässt sich wirksam durch eine glutenfreie Ernährung behandeln.

Zöliakie ist eine chronische Erkrankung, das heißt, sie verschwindet nicht mit der Zeit. Das liegt daran, dass das Immunsystem ein Gedächtnis hat. Zöliakie kann also heute nicht geheilt werden. Die einzige „Medizin“ gegen Zöliakie ist jedoch vergleichsweise unkompliziert und sehr wirksam: nämlich eine glutenfreie Ernährung. Es ist wichtig, dass alle Menschen mit Zöliakie diagnostiziert werden, da die glutenfreie Ernährung eine lebenslange Behandlung ist und Zöliakie sonst zu Nährstoffmangel führt. Die Diagnose muss im Gesundheitswesen gestellt werden, und man kann nicht selbst durch Ausprobieren feststellen, ob man Zöliakie hat. Außerdem ist es wichtig, Gluten nicht schon vor Abschluss der Abklärung selbst wegzulassen, da es sonst unmöglich werden kann, Zöliakie festzustellen oder auszuschließen.

Zöliakie ist heute viel häufiger als früher. In den letzten Jahrzehnten hat sich die Erkrankung von etwas, das als selten galt und nur Kinder betraf, zu einem verbreiteten Public-Health-Problem in allen Altersgruppen entwickelt. Auch das Bewusstsein für die Krankheit hat zugenommen – sowohl im Gesundheitswesen als auch in der Gesellschaft. Gleichzeitig sind die Möglichkeiten, Zöliakie zu diagnostizieren, immer besser geworden. Trotzdem wird Zöliakie leider noch häufig übersehen.

Die meisten durchgeführten Screeningstudien deuten darauf hin, dass Zöliakie bei etwa einem Prozent in der gesamten westlichen Welt vorkommt und bei ein bis drei Prozent in Schweden. Viele Menschen mit Zöliakie sind jedoch weiterhin undiagnostiziert. Das liegt daran, dass längst nicht alle die klassischen Magen-Darm-Symptome haben – oder als solche wahrnehmen –, die meist mit Zöliakie in Verbindung gebracht werden. Manche haben stattdessen ganz andere Beschwerden, und manche meinen, überhaupt keine Symptome zu haben.

Niemand wird mit Zöliakie geboren; die Krankheit beginnt erst, wenn das Immunsystem gelernt hat, falsch auf das Protein Gluten zu reagieren. Warum es lernt, falsch zu reagieren, wird weltweit erforscht. Man weiß, dass dafür zum einen bestimmte Genvarianten (Risikogene für Zöliakie) nötig sind und zum anderen, dass Gluten in der Ernährung vorkommt. Ein dritter Faktor ist der „Trigger“, der nötig ist, um die Krankheit auszulösen. Nur ein kleiner Teil der Personen mit genetischem Risiko entwickelt Zöliakie. In Schweden hat etwa die Hälfte der Bevölkerung die genetische Veranlagung, aber nur etwa 2–6 Prozent davon entwickeln Zöliakie. Dieser dritte Faktor, der Trigger, wird meist als ein oder mehrere Umwelt- und Lebensstilfaktoren beschrieben. Dabei untersucht man unter anderem den Einfluss von Viren, Bakterien, Infektionen (insbesondere in den ersten Lebensjahren), die Darmflora und Babynahrung.